Kann und darf Wissenschaft irren?

von Administrator (Kommentare: 0)

Wälder bedecken rund ein Drittel der Fläche Zentraleuropas und bilden somit die wichtigste Vegetationsform. Bisher war es gängige wissenschaftliche Lehrmeinung, dass Rotbuchen (Fagus sylvatica) in den niederen und mittleren Höhenlagen Zentraleuropas die natürliche und dominierende Waldgesellschaft bilden würden. Nadelwälder, speziell Fichtenwälder, wären hingegen das Ergebnis Jahrhunderte dauernder forstwirtschaftlicher Veränderungen. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet würde sich auf die Hochgebirge, Hochlagen der Mittelgebirge und Randbereiche der Hoch- und Übergangsmoore in Zentraleuropa beschränken. Koniferen reiche Waldformen in Mitteleuropa seien „naturfern“ und ihr ökologischer Wert sehr gering, urteilen insbesondere die großen Umweltverbände.

Eine aufsehenerregende wissenschaftliche Studio von Péter Szabó, vom botanischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, rückt die jahrzehntelange Lehrmeinung in ein vollkommen anderes Licht. Szabó untersuchte zusammen mit weiteren Kollegen mittels pollenanalytischer Methoden die Vegetationsformen der vergangenen 10 Tausend Jahre im südlichen Tschechien. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass durch das gesamte Erdzeitalter des Holozän, also seit über 10 Tausend Jahren bis heute, fichtenreiche Nadelwälder die Studienregion mit rund 40 – 60% dominierten. Laubwälder waren in diesem Zeitraum hingegen in einem deutlich geringeren Umfang als bisher angenommen vertreten. Dieses Ergebnis konterkariert die gegenwärtige wissenschaftlich Meinung und sollte zu weiteren Studien anregen.

Fazit: auch die Wissenschaft kann und darf irren. Wissenschaftliche Studien dürfen jedoch kein Freibrief zur Rechtfertigung politischer oder institutioneller (Fehl-)Entscheidungen oder Ideologien werden. Sie bilden immer nur einen Teil der komplexen Wahrheit ab.

 

Quelle: http://www.umwelt-watchblog.de/kann-und-darf-wissenschaft-irren/

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